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Auszug
aus Lichtblicke Nummer 12.3
Louisiana
zeigt Warhol und Munch
Mit
einer kleinen, aber feinen Ausstellung erfreut Louisiana, Dänemarks
führendes Museum für moderne Kunst, seine Gäste im
Sommer. Die Schau „Warhol after Munch” zeigt vier grafische
Werke des Norwegers Edvard Munch (1863-1944) und deren Neuschöpfung
durch den amerikanischen Pop Art-Künstler Andy Warhol (1928-1987).
Und stellt damit interessante Fragen: Stimmt das Bild von Munch als
verinnerlichtem Künstler und von Warhol als oberflächlichem
Reproduzierer?
„Nein,“
meint Louisiana Direktor Poul Erik Tøjner, der die Ausstellung
selbst kuratiert hat. Die Idee, Munch und Warhol zu vergleichen, hatte
Tøjner, bereits vor zehn Jahren. Damals gab er ein Buch über
Munch heraus und schrieb dafür einen Artikel, in dem er Munch
und Warhol einander gegenüberstellte, denn "bei beiden Künstlern
geht es stark um Kommunikation." Tøjner erregte mit der
ungewohnten Zusammenstellung einiges Aufsehen.
Auch
das einer norwegischen Kunsthändlerin, die ihn fragte, ob er
eigentlich Warhols Rekreationen der Munch-Lithografien kannte. "Damals
hatte ich noch keine Ahnung, dass Warhol diese Drucke gemacht hatte",
gesteht Tøjner.
Neue
Sichtweise
Das Ergebnis seiner Entdeckung hat nun einige Jahre später zu
einer spannenden Ausstellung geführt. Tøjner lässt
den Besucher zuerst durch vier dunkle, schwarz ausgemalte, kleine
Räume gehen, in denen die vier großteils schwarz-weiß
gehaltenen Lithografien Munchs – jeweils in drei bis vier Versionen
- gezeigt werden. Licht fällt dabei nur auf die Grafiken, die
sich dadurch besonders einprägen. "Es ist wie ein Geburtskanal,
nach dem man hinaus ins Licht kommt und sieht, was die Welt zu bieten
hat", beschreibt Tøjner seine Intention.
Die
vier Lithografien, die Warhol 1984 auf Anregung eines Bekannten als
farbenreiche Seidendrucke neu schuf, sind Munchs Selbstportrait -
mit und ohne Knochenarm - aus dem Jahr 1895, die Brosche (das Bildnis
der Violinistin Tina Mudocci von 1903), der Schrei (1895 - nach der
ersten Version des bekannten Gemäldes von 1893) und die bei ihrer
ersten Ausstellung skandalumwitterte, lustbetont hingebungsvolle Madonna
(in Versionen aus den Jahren 1895 bis 1902). Hat man den Geburtskanal
durchschritten, steht man in einer Licht durchfluteten Halle und sieht
sich 30 Variationen dieser Motive gegenüber.
Warhol
hat die Bilder in verschiedenen Farbkombinationen und Größen
geschaffen, die Motive Selbstbildnis und Madonna hat er zu einem Doppelportrait
zusammengestellt. Der in Munchs Versionen enthaltene Subtext - die
Knochenhand im Selbstportrait und die Spermien und der Embryo in der
Umrahmung der Madonna - erhalten dadurch ebenso wie die Bilder selbst
- eine interessante, neue Wirkung. Die Munch-Bilder Warhols sind nie
in Serie erschienen und daher auch nicht oft zu sehen.
Ergänzt
wird die Ausstellung durch eine Reihe fotografischer Selbstportraits
Warhols - alle Leihgaben des Andy Warhol Museums Pittsburgh - und
den Warhol-Bildern aus den Beständen des Louisiana Museums (unter
anderem eine Mao-Serie, Marylin Monroe und Diamantstaub-Bilder). Das
Motiv des Selbstportraits wird noch betont durch eine von Warhol kreierte
Pop Art-Tapete (auf der er abgebildet ist), die als Hintergrund für
die Fotos dient.
Auf
kleinen Polaroids sieht man Warhol in drag (als Frau geschminkt und
frisiert) und mit fright wig (zu Berge stehenden Haaren seiner Perücke).
Ein Selbstportrait Warhols mit Totenkopf erinnert an Munchs Knochenarm.
"Viele
halten Warhol für oberflächlich, weil er bekannte Motive
oder Objekte aufgegriffen und reproduziert hat und sehen in Munch
nur den Künstler des Seelenlebens. Dieses Bild möchte ich
etwas zurechtrücken", sagt Tøjner.
Auch
der Grafiker Munch - laut Tøjner "ein Gigant der Kunstgeschichte,
noch mehr als der Maler Munch" - hat unzählige Reproduktionen
seiner Werke geschaffen, so dass er sogar Angst bekam, durch die große
Anzahl an Lithografien und Holzschnitten seinen Marktwert zu drükken.
Und der angeblich so oberflächliche Warhol hat sich sehr intensiv
mit denselben Themen wie Munch befasst: Tod, Sexualität und dem
Selbstbildnis als Künstler.
Dänische Moderne
Ebenfalls über den Sommer zu sehen sind Werke der dänischen
Moderne aus der Sammlung Louisianas. Darunter Bilder von Carl Henning
Pedersen, Henry Heerup, Ejler Bille und Astrid Noack. Wer sie gesammelt
sehen möchte, sollte die Gelegenheit nutzen, denn die ausgestellten
Malereien gehen anschließend als Dauerleihgaben an Museen in
ganz Dänemark.
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