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Uddrag
af Lichtblicke Nummer 13.2
Hans Christian Andersen und Österreich – und eine Gedenktafel im Café Dommayer
Von Sven H. Rossel
Der berühmte dänische Märchendichter Hans Christian Andersen (1805-75) war sein Leben lang rastlos unterwegs, um neue Eindrücke und Motive für seine Texte zu sammeln, aber auch um seinen Kritikern in Dänemark zu entfliehen, wodurch er zu einem der größten europäischen Reisenden des 19. Jahrhunderts wurde. Andersen unternahm zwischen 1831 und 1873 insgesamt 30 Reisen ins Ausland, nicht nur in die Nachbarländer wie Schweden, Norwegen und vor allem Deutschland, sondern er besuchte auch so ferne Länder wie Spanien, Portugal, Marokko, Griechenland und die Türkei – und das in einer Zeit, in der das Reisen alles andre als komfortabel war.
Auch nach Österreich und Wien reiste Andersen – insgesamt sechs Mal. Bereits in Verbindung mit seinem zweiten Auslandsaufenthalt 1833-34 kam er auf der Rückreise aus Italien nach Wien. Am 27. April 1834 überquerte er mit der Pferdekutsche den Brenner und übernachtete in Innsbruck.
Über München und Salzburg ging am 5. Juni die Reise weiter durch Wels und Linz, wo Andersen zum ersten Mal die Donau sah, und am 9. Juni "rollten wir auf Wien zu. Das erste, was wir von der Stadt sahen, war der Stephansdom", schrieb Andersen in seinem Tagebuch.
Dieser erste Wienaufenthalt sollte für Andersen der wichtigste werden. Er besuchte die österreichischen Dichter Johann Deinhardstein, Ignaz Franz Castelli und Franz Grillparzer, und während der 28 Tage seines Aufenthaltes verbrachte er 21 Abende im Theater oder in der Oper. Andersen fand aber auch Zeit für gewöhnliches sightseeing. Er durchwanderte die Stadt kreuz und quer, besuchte die Schlösser Schönbrunn und Belvedere und traf sich mit Freunden in Hietzing.
Hier, im Café Dommayer, erlebte er am Abend vor seiner Abreise am 6. Juli Johann Strauss Vater mit seinem Orchester: "Er war pure Bewegung, während er das Orchester anführte, und die braunen Augen starrten in die Welt der Töne hinaus, die er schuf", schrieb Andersen begeistert in seinem Tagebuch. Und gerade dieses Erlebnis – ein großer Dichter und ein großer Komponist zum gleichen Zeitpunkt im Café Dommayer – ist Anlass genug, hier eine Gedenktafel anzubringen.
Andersen kehrte in den Jahren 1841, 1846, 1854, 1869 und 1872 nach Österreich zurück. Er sah seine Freunde wieder, besuchte sowohl die Oper als auch das Burgtheater und machte auch neue Bekanntschaften. So entwickelte sich eine enge Freundschaft mit dem Komponisten und Klaviervirtuosen Franz Liszt, und auch den großen dänischen Architekten Theophilus Hansen, den Schöpfer so vieler Prachtbauten in Wien, u.a. des Parlaments, der Börse und des Musikvereins, den er bereits 1841 in Athen kennengelernt hatte, sah er 1869 hier wieder.
Wien inspirierte Andersen sogar zu drei Kapiteln seines Erfolgsromans Kun en Spillemand (1837; Nur ein Geiger). Der Wien-Teil beginnt in der Mariahilfer Straße, und danach begegnen dem Leser das Schloss Belvedere, der Prater und der Stephansdom; wir machen einen Ausflug nach Klosterneuburg und werden auch mit Andersens Freunden bekannt gemacht. Wien hatte Andersen vieles zu bieten, es war eine seiner Lieblingsstädte, doch hat sich die Stadt auch beim dänischen Dichter revanchiert. Die Andersengasse im 12. Bezirk ist nach ihm benannt worden, und in derselben Straße trägt auch eine Wohnhausanlage seinen Namen. Im 13. Bezirk gibt es einen Andersen-Kindergarten und 2005 wurde eine Volksschule im 16. Bezirk nach ihm benannt.
Und am 26. März 2011, wenige Tage vor Hans Christian Andersens Geburtstag, enthüllte nun das Kulturforum DanAustria eine Gedenktafel, eben im Café Dommayer in Hietzing!
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